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Die Sinus-Milieus® haben sich als Werkzeug für Programm- und Mediaplanung, im (Direkt-)Marketing und bei Kreativagenturen etabliert. Die Milieus können aber mehr. Das zeigt eine Studie zu den Parteipräferenzen der Schweizer Wählerinnen und Wähler – ein Bild der politischen Einstellungen.
Wird im nächsten Oktober das Schweizer Parlament neu bestellt, dann ist kaum ein Erdrutsch zu erwarten. Verschiebungen im Kräfteverhältnis der Parteien aber schon: So sind laut dem Wahlbarometer, welches das Berner Forschungsinstitut gfs auch dieses Jahr wieder für die SRG SSR erstellt, die Grünen im Aufwind. Sie sollen, so das Resultat der zweiten Prognosewelle, ihren Wähleranteil gegenüber 2003 um fast zwei Prozent auf neun Prozent steigern können. Die SVP, am anderen Ende der Politskala, wird ebenfalls zulegen.
Die Grünen im Hoch, die SVP weiterhin stark: Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Studie von Sinus Sociovision auf der Basis der Sinus-Milieus®. Sinus Sociovision stellte im letzten Jahr 1744 wahlberechtigten Frauen und Männern in der Deutschschweiz und in der Romandie die so genannte «Sonntagsfrage»: «Wenn nächste Woche in der Schweiz Nationalratswahlen wären, welcher Partei würden Sie ihre Stimme geben?» Gleichzeitig wurden alle Probanden einem der zehn Sinus-Milieus® zugeordnet. Bereits 2004 wurde eine analoge Umfrage durchgeführt.
Mit Hilfe der Sinus-Typologie lässt sich nicht nur zeigen, welche Partei welche Stärke aufweist, sondern auch wer die Wähler der einzelnen Parteien sind und welchen Lebenseinstellungen sie zuzuordnen sind. Als Beispiele hier die Ergebnisse für die SVP und die Grünen.
Die Schweizerische Volkspartei (SVP) ist vor allem in den beiden Milieus Statusorientierte und Traditionell-Bürgerliche stark vertreten (siehe Grafik). Bei den Modernen Performern ist der Anteil der SVP-Anhänger seit 2004 zurückgegangen, liegt aber immer noch im Durchschnitt.
Die Statusorientierten sind aufstiegsorientiert und engagieren sich stark im Berufsleben. Sie sind bereit, gesellschaftliche Konventionen zu beachten. Höchster Männeranteil aller Milieus. Für Traditionell-Bürgerliche sind christliche Wert- und Moralvorstellungen wichtig. Sie streben nach Sicherheit und Ordnung. Es ist das «älteste» Milieu mit einem entsprechend hohen Frauenanteil.
Die Öko-Partei besetzt das Milieu der Postmateriellen. Dort beträgt die Affinität über 300 Prozent. Ebenfalls über dem Durchschnitt liegen die Experimentalisten. Alle andern Milieus sind unteraffin. Die Lebenswelt der Postmateriellen ist jene der kritischen Intellektuellen. Sie haben ein ausgeprägtes Bewusstsein für soziale Gerechtigkeit und für Nachhaltigkeit. Ein Milieu mit hohem Frauenanteil.
Aufschluss über generelle Einstellungen
Die Befragung im Rahmen der Schweizer Sociovision-Politstudie gibt zusätzlich Aufschluss über die generellen Einstellungen der Wählerinnen und Wähler. So vertreten Menschen, die die SVP favorisieren, vor allem traditionelle Werte. Sparsamkeit, Sauberkeit und Ordnung, aber auch der Glaube an Gott haben für sie eine grosse Bedeutung. Sie sind der Meinung, dass sich jeder, der sich anstrengt, beruflich auch etwas erreichen kann. Ein Leben in der «Stadt» lehnen sie ab.
Die Anhänger der Grünen hingegen haben keine Probleme mit einer urbanen Umgebung. Sie betrachten sich eher als Weltbürger denn als Schweizer und sie tolerieren gleichgeschlechtliche Beziehungsformen. Es verwundert nicht, dass sie bereit sind, mehr Geld für umweltfreundliche Produkte auszugeben. Auf Luxus jedoch können sie verzichten.
Multifunktional einsetzbar
«Die Studie zeigt: Das Sinus-Tool lässt sich nicht nur bei der Mediaplanung einsetzen. Es ist auch geeignet für die Untersuchung gesellschaftlich und wirtschaftlich relevanter Fragen», sagt Gabriele Spiller, die Repräsentantin von Sinus Sociovision in der Schweiz.
Die zehn Sinus-Milieus® fassen je Personengruppen zusammen, die in grundsätzlicher Lebensauffassung und Lebensweise übereinstimmen. Diese Einstellungen lassen sich zum Beispiel anhand der milieutypischen Wohnwelten charakterisieren. Das Modell wurde vom Heidelberger Institut Sinus Sociovision vor knapp 30 Jahren in Deutschland entwickelt. Sinus Sociovision hat das Konzept in den meisten europäischen Ländern und in den USA eingeführt.
Die Sinus-Karten zeigen die Affinitäten (A) der Milieus zu den Parteien. Eine dunkle Farbe bedeutet Affinitäten über 120 Prozent, die helle Farbe eine unter 80 Prozent:

Statusorientierte und Tradtionell-Bürgerliche wählen SVP.
Postmaterielle und Experimentalisten wählen die Grünen.
Kontakt:
Gabriele Spiller, Sinus Sociovision GmbH, Zürich
E-Mail: gabriele.spiller@sociovision.de
Tel. : 043 535 87 80
Mobile: 077 418 09 67
Quelle: IMPACT - Magazin der publisuisse, Februar 2007